Wie du den Mut findest, deine Story zu erzählen

Ich konnte mich gerade noch so lange zusammenreißen, bis ich meine Bürotür hinter mir geschlossen hatte. Dann brachen die Tränen unkontrollierbar aus mir heraus, wie bei einem kleinen Kind – was mich zusätzlich noch sauer auf mich selber machte, weil ich mich nicht zusammenreißen konnte.

Ich war damals als Marketingberaterin in einer Werbeagentur angestellt und hatte eine mehrstündigen Kundenbesprechung hinter mir. Der Kunde war seit mehreren Jahren am Markt und mein Chef versuchte ihn davon zu überzeugen, eine ganz neue Strategie zu verfolgen (die natürlich entsprechenden Umsatz für die Agentur gebracht hätte). Der Kunde zweifelte, ob er wirklich alles über den Haufen schmeißen sollte und fragte mich nach meiner Einschätzung.

Nun stand ich vor einem Dilemma:

  • Ich konnte ehrlich meine Meinung sagen: Das ich nicht davon überzeugt war, dass eine komplett neue Strategie nötig sei. Damit würde ich klar den Zorn meines Chefs auf mich ziehen.
  • Oder ich würde gegen meiner Überzeugung einen Kunden anlügen, der mir vertraute und damit meinen Chef glücklich machen.

Ich war schon damals eine schlechte Angestellte.

Ich riet dem Kunden von einer neuen Strategie ab und schlug Alternativen vor, während ich aus dem Augenwinkeln die Halsschlagader meines Chefs pochen sah…

Nachdem der Kunde weg war, zitierte mich mein Chef in sein Büro und schrie mich an. Man müsse Umsatz machen und als Marketer sein es nun mal nötig, Kunden zu etwas zu überreden. Ich solle vorgeben, es besser zu wissen und psychologische Tricks anwenden, um mehr zu verkaufen. Das sei ja nur im Sinne des Kunden. Wenn ich dazu nicht in der Lage sei, tauge ich nichts zum Berater und solle mir lieber eine Stelle in einer gemeinnützigen Organisation suchen.

Vor meinem Chef wollte ich mir nicht die Blöße geben und riss mich zusammen, bis ich wieder in meinem Büro war. War ich wirklich für den Beruf ungeeignet? Musste ich mich verstellen und unehrlich sein, um erfolgreich zu werden?

Nachdem ich mich beruhigt und den verschmierten Mascara von der Wange entfernt hatte, standen für mich zwei Dinge fest:

  1. Mein Chef war ein Arsch. Und sofern ich nicht auch einer werden wollte, sollte ich mir seinen Rat nicht zu Herzen nehmen
  2. Ich würde nie in einer typischen Werbeagentur glücklich werden

An diesem Tag meiner „Werbeagentur-Karriere“ starb mein großer Traum davon, eine Führungskraft in einer großen Agentur zu werden. Diesen Traum verfolgt ich verbissen, seit ich 16 Jahre alt war. Nun war der Traum weg und es entstand eine große Leere in mir. Doch im Laufe der nächsten Wochen füllte sich die Leere wieder mit Begeisterung (und einer guten Portion Trotz):

Ich fasste den Entschluss, mich selbstständig zu machen. Ich würde beweisen, dass ich mit Ethik, Authentizität (was für ein schweres Wort, oder?) und Ehrlichkeit weiter kommen würde. Heute weiß ich, dass mein Chef zwar ein Arsch war, er jedoch nur etwas in mir angestoßen hatte, was ich bereits gespürt hatte: Das ich einen eigenen Weg finden musste, um meine Fähigkeiten, Stärken und Interessen sinnvoll miteinander zu kombinieren.

Einen Weg, der wirklich MIR entsprach, ohne verstellen, ohne Manipulation. Diese Entscheidung hat mich viele Jahre, verdammt viele Bücher, Seminare, Gespräche, Blut, Schweiß und Tränen gekostet – und er ist nie zu Ende. Aber er ist es wert. 

Warum erzähle ich dir das alles?

Vom Mut, deine Story zu erzählen

mut finden deine Story zu erzählen

Wenn ich eine Sache in den letzten Jahren gelernt habe, dann eines: 

Je mehr Mut du hast, du selbst zu sein, umso mehr Menschen werden in dein Leben kommen, die genau das schätzen. Und ihr wertete euch gegenseitig unterstützen und groß machen.  

Warum?

Menschen, die für sich und ihre Überzeugung einstehen, strahlen etwas ganz Besonderes aus. Du siehst es an ihrer Begeisterung und den funkelnden Augen. Sie versprühen eine besondere Energie und ziehen andere in ihren Bann. Sie sagen die Wahrheit, auch wenn die Reaktion anderer unangenehm sein könnte. Es sind Menschen mit COURAGE. 

Courage zu haben bedeutet nicht, ohne Rücksicht auf Verluste seinen Weg zu verfolgen. Es ist auch keine Ausrede, in seiner Komfortzone zu bleiben. Es bedeute, das zu verfolgen, was einem wirklich wichtig ist. Trotz Angst und Hindernisse.

Wenn du sichtbar werden willst, musst du dich zwangsläufig entscheiden:

  1. Zeigst du wahrhaftig, wer du bist – und wirst dadurch verletzlich?
  2. Oder bleibst du aus Angst vor Ablehnung auf der sicheren Seite?

Ich erhalte viele Nachrichten von Selbstständigen mit der Bitte, ihre Story „zu prüfen“ und meine Meinung dazu zu sagen. Sie sind unsicher, ob sie etwas erzählen sollen oder zu persönlich sind. Oder Kunden fragen mich, in welche Richtung ihr Unternehmen gehen soll. Manche schreiben mir, weil sie ihre Berufung finden möchten und einen Rat brauchen. Und wenn ich ehrlich bin, kann ich ihnen nur Fragen zurückstellen: 

Was möchtest du WIRKLICH? Was sagt dir dein Herz?  

Wenn wir ehrlich in uns hineingehören, ist unser Herz ein sehr guter Indikator dafür, was richtig oder falsch ist. Warum vertrauen wir so wenig darauf?

Als Marketingberaterin kann ich den Blick von Außen einnehmen und wichtige Fragen stellen. Ich gebe eine Einschätzung, zeige Verbesserungen auf und beurteile Storys aufgrund ihrer Plausibilität und Struktur. Aber ich kann nicht für dich entscheiden oder voraussagen, ob deine Geschichte den „Nerv“ deiner Kunden treffen wird. Du wirst im Vorfeld keine Garantie erhalten – also bleibt dir nichts anderes übrig, als es einfach auszutesten. 

Aber: Du darfst dich trotzdem nicht davon abhalten lassen, raus zu gehen und sichtbar zu werden! Selbst wenn du angreifbar wirst, du dir blöd vorkommst (und das wird oft der Fall sein) oder noch nicht weißt, ob alles richtig ist. Und besonders, wenn du dich noch nicht mutig genug fühlst. 

Mut entsteht nicht durch Nachdenken, Mut entsteht durch TUN! 

Indem du raus gehst und den ersten Schritt machst, wird dein „Mutmuskel“ kräftiger und wächst weiter. 

Wie du den Mut findest, deine Story zu erzählen:

  1. Notiere direkt am Anfang, welche Botschaft du mit deiner Geschichte vermitteln möchtest – was sollen die Zuhörer daraus lernen?
  2. Schreib deine Story ungefiltert auf und lass sie dann erstmal ein paar Tage liegen
  3. Prüf den Aufbau: Ist die Struktur logisch? Welche Teile sind unnötig? Wo hast du etwas vergessen? Wird die zentrale Aussage klar?
  4. Bitte vertraute Menschen um ehrliches Feedback: Verstehen sie deine Aussage? Was hat sie berührt? Was haben sie nicht verstanden? Und: Passt die Storys zu deiner Persönlichkeit oder hast du dich verstellt? 
  5. Teste deine Geschichte weiter aus: Halte Vorträge und Webinare und prüfe (am besten live) wie deine Zuhörer darauf reagieren. Verbessere sie immer weiter und werde dabei mutiger.
  6. Suche dir Vorbilder, die ihre Geschichte offen teilen: Was genau bewunderst du daran? Welche Teile berühren dich? Warum? Daraus lernst du viel über dich selbst. 

Wenn du in das Thema Storytelling einsteigen möchtest, findest du hier meinen KOSTENLOSEN EINSTEIGERKUS, der dir Schritt für Schritt dabei hilft, deine Story zu erzählen. 

Deine Geschichte wird nie von Anfang an „perfekt“ sein. Doch sie wird sich im Laufe der Zeit durch die Interaktion mit anderen verändern und verbessern. Doch dafür musst du erstmal den Mut haben, mit einer unperfekten Version zu starten.  

Was ist, wenn dich andere verurteilen?

Ich verstehe die Angst, dass die eigene Storys zu persönlich, emotional oder von anderen negativ beurteilt werden könnte. ABER: Ich garantiere dir, dass es IMMER Menschen geben wird, die etwas nicht mögen, besser wissen, besser können oder einfach (ungefragt) ihren Senf dazugeben. Denn von Außen betrachtet sieht immer alles ganz leicht aus.

Doch niemandem steht es zu, dich zu verurteilen, denn niemand anderes hat DEINE Erfahrung gemacht. Deine Kritiker zählen nicht. Es zählt, dass du am Ende des Tages (und deines Lebens) sagen kannst, dass du dein Bestes gegeben hast, deine Wahrheit zu leben. 

Die größten Anführer, Unternehmern und Menschen sind die, die polarisieren. Manche hassen sie, dafür lieben sie die anderen. Wenn du sicher irgendwo in der Mitte verharrst, wirst du zwar nicht verurteilt – du bleibst aber niemandem wirklich im Gedächtnis.

Eine gute Story polarisiert, begeistert und steckt die richtigen Personen an. Und stößt die falschen Personen ab. 

Der feine Unterschied: Privat oder persönlich?

Ich habe schon mit Unternehmer(inne)n gesprochen, die in gewaltsamen Beziehungen gesteckt haben, schwer krank wurden, pleite gegangen sind oder andere einschneidende Erlebnisse hatten. Jeder hat sein Bündel zu tragen. Die meisten haben trotzdem sehr positive Erfahrungen damit gemacht, einen Teil ihrer Story zu erzählen – denn damit signalisieren sie, dass es in Ordnung ist, verletzbar zu sein und Fehler zu machen. Dadurch bauen sie eine sehr schnelle und intensive Beziehungen zu anderen Menschen auf. Und diese Verbindung ist sehr viel mehr wert, als ein paar kritische Stimmen von Menschen, die dir eh nicht wichtig sind.  

Ich glaube daran, dass wir wesentlich mehr Menschen mit dem Mut brauchen, ihre Geschichte zu erzählen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Du musst nicht in die Elendskiste greifen, dein ganzes (Privat)Leben auf den Tisch legen oder in Emotionen ersaufen. Es gibt einen kleinen aber feinen Unterschied zwischen „persönlich“ und „privat“. 

Faustregel: Deine Zuhörer sollen nicht peinlich berührt auf den Boden starren – das wäre privat und hat im Business-Umfeld nichts zu suchen. 

Es geht darum, dass du mit deiner persönlichen Storys erzählst, was dir wirklich wichtig ist und anderen die Chance gibst, sich dir anzuschließen. Du hast einen Grund, warum du dich für dein Unternehmen entschieden hast. Immerhin hast du so eine Leidenschaft in dir gespürt, dass du bereit warst, dich selbstständig zu machen! Diesen Schritt sind nur die wenigsten Menschen bereit zu gehen. Und wenn du dabei (zahlreiche) Fehler gemacht hast ist das völlig in Ordnung! Wenn du offen darüber sprichst, hilfst du anderen, Stolperstellen zu umgehen und eine Abkürzung zu nehmen. 

Mit deiner Story schaffst du gemeinsame Berührungspunkt, damit andere in Resonanz gehen können – oder eben nicht. Und die, die es nicht tun, sind eh nicht für dich gemacht. Lass sie weiterziehen und kümmere dich lieber um die, die dieselben Werte teilen und denen du wirklich helfen möchtest.

Bei guten Geschichte geht es weniger um eine festgelegte Struktur oder Tipps, um die Emotionen anderer zu manipulieren oder kontrollieren. Was deine Zuhörer oder Leser am Ende mitnehmen, liegt nur zum Teil in deiner Hand.

Du kannst nicht beeinflussen, ob sie sie mögen werden oder nicht. Doch eines garantiere ich dir: Wenn du allen gefallen möchtest, bist du auf dem besten Weg, eine schlechte Story zu erzählen! 

Passend zum Thema möchte ich dir noch wunderschönes Zitat mitgeben:

Der Mann in der Arena

„Es kommt nicht auf den Kritiker an. Nicht der Mann ist wichtig, der das Straucheln des Starken analysiert oder dem Tatkräftigen nachweist, wie er noch besser hätte handeln können.

Der Ruhm gebührt dem Mann in der Arena, dessen Gesicht von Staub und Schweiß und Blut gezeichnet ist, der tapfer ringt.

Der die Begeisterungsfähigkeit kennt, die restlose Hingabe, der seinem Leben einer großen Sache widmet.

Nur er kann ermessen, welcher Triumph ihm im besten Fall erwartet. Er weiß aber auch, dass er im Fall des Scheitern wenigstens in Ehre scheitert.

Und das er nie in einem Atemzug mit jenen Teilnahmslosen und Kleinmütigen genannt werden wird, die niemals Sieg oder Niederlage gekostet haben.“

– Theodore Roosevelt

 

Leg los!

Also schnapp dir jetzt einen guten Kaffee, such dir eine stille Ecke und dann hau in die Tasten! Es warten Menschen darauf, von deiner Erfahrung und Story zu lernen. Bitte lass dir nicht zu, dass deine Angst dich daran hindert, genau diesen Menschen zu helfen. Wenn du nicht weißt, wo genau du anfangen sollst, schau dir meinen kostenlosen Storytelling-Kurs an:

KOSTENLOS: STORYTELLING-KURS

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Wenn du weitere Frage hast oder von deiner Erfahrung berichten willst, schreib gerne einen Kommentar – ich bin gespannt, von dir zu hören!

P.S. Hier habe ich ein Interview mit Susanne Dahl geführt, die in ihrer Geschichte offen über ihre Psychosen berichtet. Ein tolles Mutmach-Beispiel! 

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