Was Strümpfe mit Marketing zu tun haben

In meinem 1. Beitrag habe ich direkt ein wenig gemotzt über den Newsletter-Marktführer und dessen „Beratungsqualität“. Dass es auch erfreulich anders geht, konnte ich letztes Wochenende feststellen. Und ich verrate dir, was Strümpfe mit deinem Business zu tun haben.

Letzte Woche brauchte ich ein paar neue Kompressionsstrümpfe und bin ab in die Stadt. Da dies nicht mein erstes Paar war, wusste ich, wie der Ablauf ist: Rezept abgeben, erstaunte Blicke, weil ich in meinem Alter schon sowas tragen muss, kurz die Beine vermessen und wieder raus.

Doch hier war es anders. Mich empfing direkt an der Tür eine junge Mitarbeiterin, geleitete mich in den Raum und fing an, sich mit mir zu unterhalten, während sie meine Beine ausmaß. Ich finde es prinzipiell unangenehm, fremden Menschen meine Füße hinhalten zu müssen, aber bei ihr wirkte das ganz natürlich und meine Scham legte sich schnell. Sie war ein paar Jahre jünger als ich, 23 Jahre, und ich dachte mir direkt, dass es für sie wohl alles andere als ein Traumjob sein müsse, in einem Sanitätshaus mit überwiegend älterem Publikum zu arbeiten. Doch ich hatte mich schwer getäuscht!

Liebe bis ins Detail

Sie erzählte mir, dass sie auch seit Jahren diese Strümpfe tragen müsse und dass sie – nach einer monatelangen Odyssee von Arztbesuchen, die alle ihre Schmerzen abgetan hatten („Sie sind noch viel zu jung für sowas!“) – sich entschlossen hatte, in diesem Bereich zu arbeiten. Aufgrund ihre Erfahrung, von etlichen Ärzten mit ihren Schmerzen nicht ernst genommen zu werden, wollte sie es nun besser machen.

Sie hatte sich definitiv richtig entschieden, denn ihr war anzumerken, dass sie ihre Arbeit wirklich liebt.

Und diese Liebe war in jedem Detail spürbar: Sie war extrem aufmerksam, zuvorkommend, behutsam und natürlich. Sie nahm sich viel Zeit, erklärte mir die unterschiedlichen Qualitäten, wählte mit mir eine Farbe aus und gab noch Hinweise zur Pflege und dem korrekten Anziehen der Strümpfe. Und sie hatte nicht diese künstlich aufgesetzte Freundlichkeit, die man von so vielen Verkäufern kennt.

Ich möchte betonen: Es ging hier nur um Strümpfe!

Nicht um eine enorme Investitionssumme, einen Hauskauf oder eine Lebensversicherung. Sie war keine Ärztin, keine Weltverbesserin und sie erforschte auch kein Medikament gegen Krebs. Und trotzdem verhielt sie sich so, als ob ihre Aufgabe es Wert ist, getan zu werden. Und ich kann das bestätigen! Klar gibt es Berufe mit mehr Prestige und Ansehen. Berufe, die eher als „da möchte jemand die Welt verbessern“ anerkannt werden, wie z.B. Ärzte, Polizisten oder Rechtsanwälte.

Die Welt ein kleines Stück besser machen – egal, welchen Beruf Sie ausüben!

Doch die junge Frau trägt ihren ganz eigenen Teil dazu bei, die Welt ein winzig kleines Stück besser zu machen. Und sie erhöht mit ihrer Arbeit die Lebensqualität der Menschen (wer solche Strümpfe hat weiß, wie schmerzhaft sich die Beine ohne anfühlen). Auch wenn es nur ein kleines Detail in unserem Leben ist, für diese junge Frau ist ihr Beitrag dazu bedeutsam. Und sie verhielt sich vorbildlicher als etliche Ärzte, denen ich in den letzten Monaten begegnet bin.

Ich finde das großartig!

Was ich dir damit sagen möchte: Du musst keinen aufopferungsvollen oder prestigeträchtigen Beruf haben, um einzigartig zu sein und anerkannt zu werden. Du sollst einen tollen Job machen, das Leben deiner Kunden verbessern und ja, damit auch gutes Geld verdienen.

Was dich einzigartig macht, ist nicht dein gesellschaftlicher Status oder eine total innovative Idee – es ist die Art und Weise, WIE du deinen Job machen und WIE du dein Unternehmen führen.

Du musst das Rad nicht neu erfinden – aber was du ganz bestimmt tun müssen, ist dein Herzblut, deine ganze Leidenschaft und deine komplette Persönlichkeit mit einzubringen! Es ist dein Engagement, was einen echten Mehrwert für deine Kunden schaffen kann.

In Bezug auf mich bedeutet das: Marketingberatungen gibt es wie Sand am Meer. Und Marketing hat einen schlechten Ruf, wir gelten häufig als Lügner, Selbstdarsteller und Laberbacken (und kommen vom gesellschaftlichen Status gleich nach dem Gebrauchtwagenverkäufer).

Was ein Unternehmen besonders macht? Deine Persönlichkeit und ganz viel Leidenschaft!

Ich habe hier keine bahnbrechenden Neuerungen eingebracht, das ist auch oft gar nicht möglich. Was mein Unternehmen einzigartig macht, BIN ICH und die Weise, wie ich es führe. Es ist die Art, wie ich arbeite und wie ich mit meinen Kunden umgehe. Teilweise auch noch, ob ich Leistungen oder einen besonderen Service anbiete, die andere Anbieter nicht haben. Das ist dann die Kirsche auf der Sahnetorte.

Und das alles – deine Persönlichkeit, die Leistungs-Bausteine und das Marketing – kann einen riesigen Unterschied zu der grauen, einheitlichen Masse machen. Aber nur Marketing alleine reicht längst nicht mehr aus.

Von Kalli Gibran gibt es ein tolles Zitat:

Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe

Also – wo ist deine Liebe? Wo ist sie zu spüren, wo bist DU zu spüren? Wo ist die Leidenschaft, das Funkeln in den Augen?

Bei der jungen Dame war die Liebe, ihre Freude an der Sache überall zu spüren. Kein Hochglanzprospekt der Welt, keine noch so tolle Internetseite kann da mithalten oder entfaltet so eine Wirkung wie jemand, der seinen Beruf mit Liebe und Herzblut ausführt!

Marketing fängt immer genau bei DIR SELBST an und endet in diesen Marketing-Details. Wie ein Wassertropfen, der sich ausbreitet.

Ich bin mir sicher: Das nächste Mal werde ich wieder genau in dieses Sanitätshaus gehen, zu genau dieser Verkäuferin.

Und was ist mit dir: Kannst du deine Kunden so überzeugen, dass sie immer wieder gerne zu dir kommen? Bist du so gut, dass Sie sogar einen Umweg in Kauf nehmen würden oder nicht mehr um den Preis feilschen?

Bleib einzigartig, bleib besonders!

6 Gedanken zu “Was Strümpfe mit Marketing zu tun haben

  1. Superschöner Artikel – bezaubernde Geschichte. Ich finde auch, dass es unglaublich bereichert, wenn Menschen ihre Arbeit mit Liebe tun und für mich selbst ist es auch die größte Freude. So empfinde ich „Arbeit“ als WIN-WIN Situation, nur so absolut erstrebens- und lebenswert.

    Liebe Grüße, Irka

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