Besser schreiben: Storytelling einfach gemacht

Es war einmal vor langer Zeit, da lebte eine Marketingberaterin names Annika im schönen Bonn. Sie fand es total doof, dass es so viele kleine Unternehmen gibt, die ganz tolle Produkte anbieten – aber nicht gesehen werden. Also nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und machte sich zusammen mit ihrem pinken Flamingo Timmy auf, um die kleinen Unternehmen zu retten…

So sollte dein Text natürlich NICHT sein 🙂 Also ich persönlich finde es zwar ganz lustig, aber die meisten werden bei so einer Geschichte eher mit den Augen rollen und dich für etwas naiv halten. Oder einfach bescheuert.

Du hast bestimmt schon an vielen Ecken gehört, wie wichtig Storytelling ist und das du es auf jeden Fall einsetzen solltest. Falls nicht, dann les mal hier rein:

https://marketingcafe.de/6-gruende-warum-du-auf-storytelling-nicht-mehr-verzichten-kannst/

Wie wende ich Storytelling praktisch an?

Das Problem ist nur: Wie kannst du das für dein Unternehmen in der Praxis anwenden? Musst du jetzt immer mit einem Helden anfangen, der schwere Hindernisse überwinden muss und dann siegreich emporsteigt?

Ich finde, das muss nicht sein (wirkt etwas theatralisch). Und die wenigsten Geschichten eignen sich für so eine Heldenreise.

Was du aber super nutzen kannst, ist der Aufbau einer guten Story als Grundgerüst für deine Kommunikation.

Wie ist der Grundaufbau einer Geschichte?

Eine Geschichte besteht aus: Anfang, Höhepunkt und Ende. Ziemlich simpel, oder?

Der sogenannte Dreiakter ist natürlich der einfachste Aufbau einer Geschichte. Es gibt auch deutlich umfangreichere Beschreibungen wie z.B. die „Heldenreisen“ in mehreren Akten, aber das soll uns hier mal nicht kümmern.

Was toll ist: Genau diesen Dreiakter kannst du mit einem kleinen Kniff ideal für deine Blogbeiträge verwenden (oder auch für Videos, Podcasts etc.)

Der Unterschied zwischen Informationen und Wissen

Zwei Geschäftsleute sind auf Safari und sehen plötzlich einen hungrigen Löwen. Einer der Geschäftsleute setzt sich sofort hin und zieht sich seine Laufschuhe an. 

„Was machen Sie da?“, fragt ihn der andere. „Sie können doch gar nicht schneller laufen als ein Löwe.“ 

„Das ist auch gar nicht nötig“, entgegnet der erste, „ich muss nur schneller laufen als Sie.“

Am Anfang fällt dir Storytelling vielleicht schwer. Aber macht dir nicht zu viel Druck: Du muss nicht sofort der allerbeste Storyteller sein. Du musst darin nur ETWAS besser sein als die anderen. (Darum die Anekdote mit dem Löwen.)

Die meisten Beiträge sind so mit Fakten angehäuft, dass deiner Leser sehr dankbar sein werden, wenn du es nur etwas anschaulicher als andere machst.

Gib also nicht nur Informationen weiter (Davon werden wir alle erschlagen). Gib dein WISSEN weiter.

Wo der Unterschied liegt? 

  • Eine Information ist einfach nur eine Information.
  • Wissen ist die Kombination von Information und Anwendung.
    Oder in deinem Fall: Dein Fachwissen gespickt mir anschaulichen Beispielen und Analogien.

So baust du eine Brücke zwischen deinem Fachwissen und dem Wissen deiner Leser.  Du machst es ihm damit so einfach wie möglich, alles zu verstehen und zu behalten.

Hierfür eignet sich prima die „Sandwich-Methode“.

Die „Storytelling Sandwich Methode“

Verkäufer kenne die Sandwich-Methode sehr gut: Es bedeutet, dass man eine negative Botschaft (wie z.B. den Preis) in zwei positive Botschaften verpackt. Das liegt daran, dass wir uns den Anfang und das Ende einer Aussage am besten merken. Alles in der Mitte wird eher vergessen.

Nun will ich natürlich nicht sagen, dass deine Kernbotschaft eine negative Botschaft ist! Es ist nur einfach die Information, die schwerer zu verdauen ist.

Diese Sandwich-Methode können wir daher prima für Texte verwenden.

Der Aufbau ist dann so:

Story – Kernbotschaft – Story 

Du nimmst also deine Kernbotschaft und verpackst diese in eine schöne, knackige Story. (Wenn du mehr auf Burger stehst, kannst du das natürlich auch „Burger-Methode“ nennen. Merkt man eigentlich, dass es gerade Mittag ist und ich Hunger habe…? Zurück zum Thema.)

Durch die Sandwich-Methode schaffst du es, das Wissen im Kontext zu ändern und eine neue Verknüpfung im Kopf deiner Leser herzustellen.

Kontext macht den Unterschied!

Eigentlich findet man schon alles Wissen irgendwo online. Es macht also wenig Sinn, das Wissen einfach nur weiter zu verbreiten.

Aber es macht sehr viel Sinn, den Kontext bzw. den Bezugsrahmen rund um das Wissen zu verändern.

Lass es mich erklären:

Ich war nie ein Mathe-Genie. Jahrelang haben verschiedene Lehrer versucht, mir das dringend notwendige Mathematik-Wissen beizubringen. Und sie sind verzweifelt. Ich bin verzweifelt. Meine Eltern sowieso.

Kurz vor meinem Abitur fand ich einen Nachhilfelehrer, der alles änderte. Er schaffte es wie kein anderer, die Dinge anschaulich, verständlich und bildhaft zu erklären. Er nahm so ein blöde Matheformel und zeigte mir an realen Beispielen, was genau da ich eigentlich berechnete.

Kurz: Er verstand es, mir die Dinge in MEINER verqueren Denkweise beizubringen. Er nahm das Wissen und setze es in einen anderen Kontext – wodurch es erst für mich greifbar und verständlich wurde.

Als ich dann meine Prüfung mit der Note Zwei abschloss, war ich überglücklich und meine Nachhilfelehrer mein Held.

Der Stoff war derselbe. Der Kontext aber ein ganz anderer.

Es kann sehr gut sein, dass dein Leser deine Inhalte schonmal irgendwo anders gesehen oder gelesen haben. Er hat es sich aber vielleicht einfach nicht gemerkt, weil es nicht anschaulich verpackt war. Puff und weg war das Wissen.

Durch dein Storytelling bekommt er aber einen neuen Bezugspunkt und denkt sich: „Oh, daran habe ich noch gar nicht gedacht.“

Und genau das ist es, was Texte wirklich interessant macht.

Was, wenn ich nicht gut schreiben kann?

Viele haben so ihre Probleme mit dem Schreiben. Ganz viele fallen in einen „Wissenschafts-Modus“, sobald sie etwas auf Papier bringen wollen.

Da wird mit Zahlen und Fakten um sich geworfen, damit das ganze auch fachlich korrekt und fundiert ist. In normalen Leben würden sie sich niemals so ausdrücken.

Viele Kunden fragen mich nach Tipps, wie man besser schreiben kann. Meine Antwort:

Tipp 1: Schreib, wie du sprichst.
Ja, das benötigt ein wenig Übung. Du musst es dir erst „abtrainieren“ immer total hochgestochen und wissenschaftlich zu schreiben. Manchmal hilft es, wenn du den Text laut vorliest. Wenn du dann stolperst, änder den Text hier ab.

Tipp 2: Schreib so, dass es dich selbst interessieren würde
Würdest du deinen eigene Text gerne lesen? Würde es dir Freude bereiten? Wärst du neugierig? Wenn es dir so geht, dann bestimmt auch noch anderen.
(Tolle Übung: Speicher dir gute Texte ab und analysieren, was genau du daran toll findest.)

Tipp 3: Das fiktive Café
Wenn ich texte stelle ich mir immer vor, dass du mir gerade in einem netten Café gegenübersitzt und wir uns über dein Unternehmen unterhalten. Und gemeinsam daran arbeiten, wie wir dich weiter voranbringen. Die Vorstellung hilft mir sehr dabei, noch echter und authentischer zu schreiben. Nicht alles ist korrekt, wohlformuliert oder raffiniert. Aber es ist echt. Meine Erfahrung ist, dass genau diese Art von Texten deutlich mehr Anklang finden. Probiere es einfach mal für dich aus.

Aufbau und Ideen für deine Story

Anfang 
Du musst beim Storytelling nicht total ausschweifend werden. Manchmal reichen schon ein paar Sätze als Einführung, wie du auf das Thema gekommen bist. Involvier den Leser. Lass ihn mitfühlen und verstehen.

Stell dir vor, dass dir dein Kunde gegenübersitzt und dich etwas zu deinem Fachgebiet fragt. Was erzählst du ihm dann?

Du knallst ihm bestimmt nicht nur die nackten Fakten auf den Tisch, sondern verpackst diese in eine Geschichte.

  • Vielleicht erzählst du von einem ähnlichen Kunden und was diesem geholfen hat?
  • Fällt dir etwas ein, was dir Freunde oder jemand aus deiner Familie erzählt hat?
  • Oder eine Geschichte aus einem Buch, einem Fachbeitrag, einem inspirierender Vortrag?

Kurz: Gibt es eine Szene aus deinem Alltag oder aus deiner Erinnerung, was den Kern-Inhalt deines Beitrags klarer und verständlicher macht? Kannst du den Kontext ändern? Kannst du es einfacher machen?

(Tipp: Fang an Notizen zu machen, wenn dir ein Praxis-Beispiel oder eine toll Idee einfällt, wie du etwas anschaulicher vermitteln kannst!)

Mitte
Nun leite über in den eigentlichen Hauptteil – das, was du eigentlich mit dem Beitrag mitteilen möchtest. Greif hier auf das Beispiel vom Anfang zurück und helfe deinem Leser, die Verknüpfungen zwischen der Kernbotschaft und der Geschichte am Anfang herzustellen. Je anschaulicher und einfacher, umso besser!

Schluss
Am Ende kannst du nochmal das Fazit ziehen, den Gedanken vom Anfang wieder aufgreifen und zum Abschluss bringen.

Fazit

Du bist jetzt am Ende dieses Beitrags angekommen. Und der ist nicht gerade kurz geraten.

Welche Inhalte hast du dir gemerkt? 

  • Die Story mit meinem Mathe-Nachhilfelehrer?
  • Die mit dem Löwen?
  • Erinnerst du dich an das Sandwich?
  • Oder an das imaginäre Café, in dem du mit deinem Kunden sitzt?

Im ganzen Text gab es keinen Helden, keine ausgefallene Story – sondern nur ein paar anschauliche Beispiele.

Und wenn du nur das mitnimmst, habe ich meine Aufgabe für heute erfüllt. Und werde jetzt einen Burger essen gehen.

P.S. Wenn dich das Thema interessiert und du es weiter verfeinern möchtest: Ich arbeite gerade daran arbeite, einen Storytelling-Kurs zu entwickeln. Da möchte ich dir Schritt für Schritt zeigen, wie du Storytelling ganz praktisch und einfach in deiner Kommunikation einsetzen kannst. Falls du Anregungen und Ideen für den Kurs hast, kann ich diese jetzt gerne noch mit einbauen. Also her mit deinen Fragen 🙂

 

Setzt du Storytelling schon aktiv ein? Womit hast du Probleme? Ich würde mich sehr freuen, wenn du dir 2 kurze Minuten Zeit nehmen könntest für diese kleine Umfrage:

UMFRAGE: STORYTELLING FÜR UNTERNEHMER UND SELBSTSTÄNDIGE

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2 Gedanken zu “Besser schreiben: Storytelling einfach gemacht

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