6 Gründe, warum du auf Storytelling nicht mehr verzichten kannst

Storytelling ist weit mehr als nur ein Trend oder ein geflügeltes Wort! Es ist die älteste Kommunikationsform der Welt und wird in Zeiten des kompletten Informations-Überflusses absolut unverzichtbar! Warum, das erkläre ich dir in diesem Blogbeitrag.

An Weihnachten musste ich innerlich grinsen, als ich meinen Vater besuchte. Wir saßen schön bei einem Raclette zusammen und lagen bereits im Käse-Koma. Weihnachtliche Musik klang im Hintergrund, Kerzen brannten, es war eine total gemütliche Stimmung. Ich weiß nicht mehr, wie wir darauf kamen, aber plötzlich zückte mein Vater sein Handy und zeigte mir den TV-Spot über einen kleinen Jungen und seinen besten Freund Monti, den putzigen Pinguin. Wenn du den Clip nicht kennen solltest, kannst du ihn dir hier ansehen:

Seine Augen strahlten als er mir das Video zeigte und er neugierig auf meine Reaktion wartete.

Und da sah ich es wieder: Den kleinen Jungen, der Geschichten liebt. Der Abenteuer erleben möchte. Der die Welt entdecken und erforschen möchte. Eine Zeit, als alles noch leicht und unkompliziert war, ohne Verpflichtungen. Als man mit rotwangigem Gesicht völlig vertieft in seinem Spiel eintauchte.

Jeder liebt Geschichten! 
Ich kann mich noch an die Gute-Nacht-Geschichten meiner Eltern und meiner Oma erinnern, oder dass ich immerzu meine Nase in ein Buch gehalten habe. Neben mir hätte eine Bombe explodieren können, ich hätte es nicht gemerkt. Ich war völlig in der Geschichte aufgegangen und konnte in meiner Fantasie Unglaubliches erleben.

Das Zusammentreffen mit meinem Vater machte mir wieder einmal deutlich, wie extrem präsent Geschichten in unserem Alltagsleben sind, unabhängig von Alter oder Geschlecht. Und wie wenig Unternehmen sich das effektiv zu Nutze machen, obwohl es so viele gute Gründe für Storytelling gibt!

6 gute Gründe für Storytelling:

1. Alle Menschen sind innerlich immer noch Kinder

Storytelling weil menschen Geschichten liebenAls ich meinen Vater sah, wie er mir mit leuchtenden Augen das Video zeigte, da bekräftigte es wieder meine Meinung: Alle Menschen sind innerlich noch Kinder. Gott sei Dank! In jedem schlummert dieses kleine, verspielte Kind, das mit leuchtenden Augen Neuland entdecken und dessen Fantasie beflügelt werden möchte.

Selbst mein Vater, ein doch recht rationaler Mensch, der sich hauptberuflich mit Maschinen und Technik beschäftigt. Selbst er zeigt mir das Video von dem kleinen Jungen mit dem putzigen Pinguin.

Wie oft habe ich schon gehört: „Zu unseren Kunden passen Geschichten nicht! Die wollen Fakten und Zahlen auf den Tisch, sonst nichts. Alles Drumherum nervt die nur.

Meine Antwort: „Was – Ihre Kunden sind keine Menschen? JEDER Mensch möchte fasziniert und begeistert werden, JEDER! Selbst wenn sie es nicht zugeben und unter einem Haufen Fakten verbergen wollen.“

Egal ob Mann oder Frau, Geschäftsführer eines 2.000 Mann-Betriebes oder Selbstständiger. Egal, ob Kleinkind oder Senior. Ich kenne absolut niemanden, den eine gute Geschichte nicht berührt! Man muss nur darauf achten, ob die Geschichte zu dem Gesprächspartner passt, ob es „sein Thema“ ist, ob er ähnlich tickt wie du. Es muss keine „Es war einmal vor langer Zeit“-Geschichte sein. Wie die Geschichte gestaltet ist, was das Thema ist, das muss je nach Gesprächspartner angepasst sein.

Warum sonst lesen wir Bücher, schauen Filme, und Videos oder hören Podcasts und Hörbücher? Alles Geschichten! Ich habe in den letzten Monaten ganz stark darauf geachtet, wovon Menschen sich gegenseitig erzählen, besonders, wenn es um Werbung und Marketing geht.

Niemand hat von Spots erzählt, die die Qualität des Produktes gepriesen haben. Niemand hat von der tollen Technik erzählt oder davon, dass er etwas ein paar Euro billiger bekommen hat.

Es handelte fast immer von Werbung, die einen besonders berührt hat, die eine Geschichte erzählt hat. Oder von dem Verkäufer, der etwas getan hat, was ihn überraschte, der besonders aufmerksam war. Ein Geschäft, in dem man besonders wahrgenommen und wirklich GESEHEN wurde.

2. Wir lernen am besten durch Geschichten

wir lernen am besten durch StorytellingIch teste das gerne aus, wenn ich mit einem Kunden zusammensitze: Sobald ich von persönlichen Erfahrungen anderer Kunden berichte oder als meine Erfahrung als Kunde, da werden alle ganz still und aufmerksam.

Menschen lernen von Menschen – und Geschichten sind die allerbeste Möglichkeit, Menschen etwas klar zu machen, OHNE sie belehren zu wollen. Ohne sie als dumm dastehen zu lassen.

Durch eine Geschichte erleben wir etwas, als ob wir es selbst getan hätten – und können daraus unsere eigenen Schlüsse ziehen. Wir fiebern mit, wir fühlen mit und malen uns aus, wie wir diese Situation gemeistert hätten.

Wahrscheinlich sind deswegen Serien mittlerweile auch so populär – es ist, als ob man einem Freund dabei zusieht, wie er sein Leben lebt, welche Hürden er meistert und wie er daran wächst.

Wir lernen von Kindesbeinen an, unsere eigenen Schlüssel aus Geschichten zu ziehen. Warum sollte das im Business anders sein?

Und das Beste: Menschen merken sich Geschichten bis zu 22-mal besser als pure Fakten!

3. Geschichten als Rückzugsort

storytelling als Zuflucht von der Realität Schon vor 10 Jahren habe ich von einem Megatrend gehört, der sich damals „Cocooning“ nannte – das Heim als persönlicher Rückzugsort und Kuschelecke. Dieser Trend hat nicht annähernd beschrieben, wohin sich die Gesellschaft heute entwickeln würde: Je lauter hektischer, lauter und chaotischer, umso mehr entwickelt sich eine tiefe Sehnsucht nach dem „einfachen Leben“.

Schau dich mal um: In deinem Umfeld, bei Freunden, in den Buchhandlungen: Zeitschriften wie „Landlust“ gehen durch die Decke, Jugendliche (auch Männer!) lernen von Oma stricken und häkeln, um sich daraus coole Mützen zu machen. Sie nennen es zwar „boshi“, aber es bleiben gehäkelte Mützen. Frauen kaufen sich Jugend-Romane, um die erste große Liebe nochmal zu erleben.

Die Menschen haben eine zunehmende Sehnsucht nach der einfachen Zeit, nach Sicherheit!
Nach Omas Apfelkuchen, kochen mit Freunden, einem kuscheligen Haus auf dem Land mit Hund, Kind und einer heilen Familie. Und das betrifft nicht nur meine Generation Y, denen Statussymbole weniger wert sind als Selbstverwirklichung, sondern die ganze Gesellschaft.

Es ist eine witzige Mischung: Hypermodern Technik und ständige Vernetzung trifft auf fast schon biedere Sehnsüchte. Wir sehen uns nach einer Ruhe-Oase und dem besinnlicheren Leben, auch „Mindfulness“ genannt. Kurse zum Thema Achtsamkeit sind ausgebucht, Yoga-Studios boomen und Manager bezahlen Geld dafür, um ein Wochenende komplett ohne Internet verbringen zu dürfen.

Geschichten, die diese Themen aufgreifen und diese Sehnsucht stillen, werden auch in Zukunft garantiert zahlreiche Zuhörer finden. Aber auch andere Themen werden unser Gehör finden, da Geschichten per se „kleine Rückzugsorte in der Kommunikation“ sind, die uns den turbulenten Alltag vergessen lassen. Für ein paar Minuten oder Sekunden tauchen wir in eine völlig andere Welt ein.

4. Informationsflut: Der beste Storyteller gewinnt!

storytelling hat in der informationsflut die OberhandDie Welt ist bunt und unglaublich unkontrollierbar. Und wir versuchen verzweifelt, der Informationsflut Herr zu werden. In einer Gesellschaft, in der es Informationen im Überfluss gibt, wird Aufmerksamkeit zum wichtigsten Gut.

Viele Unternehmen glauben immer noch, dass auch noch heute die Spielregeln von gestern gelten: Wenn du mehr Aufmerksamkeit möchtest, sei einfach lauter als die anderen! Das ist ein (oftmals teurer) Trugschluss!

Bei 13.000 Werbebotschaften täglich hast du als „Normalo“ keine Chance, indem du lauter bist als die anderen. Laut auf die Masse loszugehen, wird ungehört verhallen. Du kannst tausende Euro an Werbebudget raushauen, ohne nur einen Windhauch davon zu spüren.

Werde nicht lauter, werde persönlicher und emotionaler!

Um in der Masse Gehör zu finden, musst du die besseren Geschichten erzählen und zum »Meister-Storyteller« werden! Du musst den Nerv deiner Kunden treffen, indem du persönlich, emotionaler und authentischer kommunizierst als deine Konkurrenz.

Unsere Zeit mag zwar einige Nachteile haben – aber auch enorme Vorteile und Potenziale! Es war nie einfacher und günstiger, durch sehr genaue, fein abgestimmte Marketingmaßnahme deine Kunden zu erreichen.

Aber deine Kunden erreichen ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist, deine Kunden wirklich zu berühren und zu faszinieren. Das kann ein tolles Video, ein emotionaler Text oder eine persönliche Webseite sein. Aber zuvor wirst du nicht umhin kommen, sehr genau hinzusehen:

Was sind die echten Wünsche und Bedürfnisse meiner Kunden? Was erhofft sich mein Kunde von dem Kauf, was auf den 1. Blick nicht zu erkennen ist? Was sind ihre wahren Sehnsüchte?

Wenn du das erkennst und Storytelling betreibst, was eben diese Sehnsucht anspricht – dann werden deine Kunden dir freiwillig folgen!

5. Fakten sind tot, es lebe das Storytelling!

Storytelling ist besser als FaktenMenschen wollen nicht noch mehr Fakten! Unsere Gehirne sind randvoll mit Fakten, die uns nicht berühren. Schon Grundschulkinder fragen sich heute, warum sie etwas auswendig lernen sollten, wenn sie es in wenigen Sekunden online nachsehen können?

Heute zählt nicht mehr, wer die meisten Fakten auswendig gelernt hat, um seine Kunden damit totzuschlagen – sondern wer die beste Geschichte erzählen kann!

Wir sind hungrig nach tollen Geschichten, also gebt sie uns!

Ja, das erfordert Mut und Übung, denn wir haben den natürlich Drang, Geschichten zu erzählen, im Business-Leben verlernt. Irgendwann einmal wurde beschlossen, dass es seriöser ist, Fakten auf schön designten Power-Point-Folien zu präsentieren.

Versteh mich nicht falsch, natürlich sind Fakten wichtig. Im Storytelling geht es nicht darum, deinen Kunden Märchen aufzutischen!

Beim Storytelling geht es darum, Fakten in der schönsten und angenehmsten Form für deine Kunden aufzubereiten und nachfühlbar werden zu lassen.

Aber warum machen so wenig Unternehmen die Argumente spürbar und erlebbar? Es macht einen riesigen Unterschied, ob du etwas behauptest – oder ob du deine Kunden etwas durch eine gute Geschichte selbst erleben lässt (auch wenn es nur in ihrer Fantasie ist).

Warum trauen sich so wenig Unternehmer, persönlicher zu werden und in der Sprache ihrer Kunden zu sprechen? So viele verpuffte Chancen, um  Kunden wirklich zu Fans zu machen und sie zu begeistern!

6. Der Mensch ist ein empathisches (mitfühlendes) Wesen

menschen empfinden Geschichten nachGerade, wo ich diesen Beitrag schreibe, sitze ich mittags in einem gemütlichen französischen Café in der Bonner Nordstadt. Es gibt zahlreiche Mini-Kuchen, guten Kaffee und es herrscht ein reges Treiben und die entsprechende Lautstärke. Denn das Café ist voll – und das an einem Freitagmittag!

Ich finde das super – ich sitze hier mit meinem Laptop und kann heimlich in Ruhe die Leute beobachten. Sie erzählen sich die verschiedensten Geschichten, essen, lachen. Die Kunden sind kunterbunt gemischt: Junge Mädchen, ein Tisch mit mehreren Frauen Mitte Fünfzig, junge Männer, die einen Tee trinken und Quiche essen.

Menschen haben eine unglaubliche Sehnsucht nach Nähe und Vertrautheit.
Wir sind dazu geboren, uns auszutauschen und Erfahrungen zu teilen. Die Fähigkeit, mit anderen Menschen mitzufühlen, ist extrem ausgeprägt.

Es wurde bereits wissenschaftlich erforscht, dass unser Körper keinen Unterschied macht, ob wir etwas tatsächlich selbst erlebt haben oder uns dies nur intensiv vorstellen.

Wenn wir eine Geschichte hören, werden auch die Hirnbereiche aktiviert, die sich einschalten würden, wenn wir etwas selbst erlebt hätten. Unser Körper nimmt eine gute Geschichte also als real wahr – inklusive der körperlichen Symptome wie z.B. Hormonausschüttungen. Wahnsinn oder?

Erst das Bauchgefühl, dann die logische Begründung
Doch immer noch glauben Unternehmen, dass Fakten alles sind, was zählt. So ein Unsinn! Es ist ein absoluter Trugschluss, dass Menschen rationale Wesen sind. Es ist schon seit Jahren belegt, dass Menschen ERST aus dem Bauch heraus entscheiden und DANACH logische Begründungen für diese Entscheidung suchen!

Menschen vertrauen immer Menschen, keinen anonymen Firmen. Und Menschen kommunizieren sehr emotional und in Geschichten. Je besser du deine Kunden auf emotionale Weise berührst, umso eher werden sie dich mit einem guten Gefühl verknüpfen. 65% unserer Konversation besteht aus persönlichen Geschichten und Gerüchten – unabhängig vom Alter oder Geschlecht. Kurz: Mit Storytelling sprichst du die Sprache deiner Kunden.

Zusammenfassung:

Storytelling wird in Zeiten von Informationsfluten immer wichtiger, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Menschen kommunizieren und lernen überwiegend in Geschichten. Je emotionaler du deine Kunden berühren kannst, umso bereitwilliger werden sie dir folgen und an deinem Unternehmen Anteil haben wollen. Mach es dir zu Nutze, dass Menschen innerlich Kinder geblieben sind, die begeistert werden wollen und dazu geboren sind, mit dir zu fühlen und zu lernen. Ich wünsche dir ganz viel Spaß dabei!

Setzt du Storytelling schon aktiv ein? Womit hast du Probleme? Ich würde mich sehr freuen, wenn du dir 2 kurze Minuten Zeit nehmen könntest für diese kleine Umfrage:

UMFRAGE: STORYTELLING FÜR UNTERNEHMER UND SELBSTSTÄNDIGE

Buchempfehlung: Petra Sammer: Storytelling – Die Zukunft von PR und Marketing

Blogempfehlung: Bernadette Jiwa: The story of telling

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6 Gedanken zu “6 Gründe, warum du auf Storytelling nicht mehr verzichten kannst

  1. Hallo Annika,

    mir gefällt dein Artikel zum Thema Storytelling echt gut.
    Habe vor ein paar Tagen selbst einen in meinem Blog geschrieben und stimme dir zu: Menschen lieben Geschichten!
    Wie du schon geschrieben hast, es fängt schon mit den Gute-Nacht-Geschichten als Kind an und daran wird sich nichts ändern.
    Heutzutage müssen sich die Unternehmen klar werden, dass sie ihre Kunden und Interessenten nicht mehr mit einfachen Informationen über ihre Leistungen begeistern können.
    Demnach müssen im digitalen Zeitalter andere Geschütze auffahren: Storytelling.
    Selbstverständlich ist dieses Buzzword nicht nur ein Trend und vor allem nicht unbekannt.

    Man muss halt nur wissen wie 🙂

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